Wohnungsstationen
Wohnungsstationen und Fernwärme
aus Wärmenetzbetreibersicht
Fernwärme - Wohnungsstationen
Eine Bewertung aus Netzbetreibersicht
Immer öfter werden Wärmenetzbetreiber mit dem Ansinnen ihrer Kunden konfrontiert, Wohnungsstationen in den Gebäuden einzubauen.
Wohnungsstationen grenzen die Verteilung der Wärme innerhalb der Wohnung von der Hausanlage ab und erwärmen je nach Ausführung erst in der Wohnung selbst das Trinkwarmwasser. Sie sind Mini-Anschlussstationen an des gebäudeinterne Verteilnetz.
Vorteile:
Die Wohnungsstationen bieten dem Gebäudeeigentümer als Vermieter und den Mietern einige Vorteile:
- Jede Wohnung hat ihren eigenen Wärmezähler, die Abrechnung wird einfacher, die Heizkostenverteiler an den Heizkörpern fallen weg.
- Das Trinkwarmwasser wird nicht gespeichert, die Legionellengefahr sinkt erheblich. Beprobungen können u.U. entfallen.
Nachteile:
Der wichtigste Nachteil für den Vermieter besteht in möglicherweise höheren Investitionskosten für die Gebäudetechnik. Die Wohnungsstationen und gegebenenfalls längere Wärmeverteilleitungen – je nach Schnitt der Wohnungen – sind zu errichten. Dafür benötigt man jedoch keinen Trinkwarmwasserspeicher, keine separaten Trinkwarmwasserverteilleitungen mit Zirkulation, keine Trinkwarmwasserzähler und keine Heizkostenverteiler an den Heizkörpern. Der Bestand der Anlagentechnik spielt im Sanierungsfall eine ausschlaggebende Rolle. Gibt es bisher Gasetagenheizungen, liegt der Wechsel zu Wohnungsstationen beim Anschluss an die Fernwärme nahe.
Fazit:
Letztlich liegt es in der Philosophie und Verantwortung des Gebäudeeigentümers, wie er die gebäudetechnischen Anlagen konzipiert.
An der Schnittstelle zum Fernwärmenetz wechseln Verantwortung und Interessenslagen. Hier greift die Verantwortung des Wärmenetzbetreibers. Der Wärmenetzbetreiber hat ein Interesse an möglichst niedrigen Rücklauftemperaturen und einer gleichförmigen oder regelbaren Wärmeleistungsinanspruchnahme.
Die Rücklauftemperaturen, die kundenseits erreicht werden müssen, sind regelmäßig in den „Technischen Anschlussbedingungen an die Fernwärme“ (TAB) festgelegt. Wohnungsstationen liefern sehr gute Voraussetzungen, die Anforderungen einzuhalten, weil der Temperaturtreiber Trinkwarmwasserzirkulation entfällt. Stattdessen zirkuliert Heizwasser in den Leitungen bis zu den Wohnungsstationen, um dem Nutzer jederzeit die Warmwasserbereitung ohne Wartezeiten zu ermöglichen. Dieser Komfort außerhalb der Heizsaison ist nicht kostenlos, da beständige Wärmeverteilverluste die Folge sind. Aus Gründen der Energie- und Kosteneffizienz sollten die Zirkulationstemperaturen so niedrig wie möglich gehalten werden.
Liefert der Kunde die vereinbarten Rücklauftemperaturen sekundärseitig, liegt es in der Verantwortung des Wärmenetzbetreibers, diese auch primärseitig zu realisieren, sofern ihm die Hausanschlussstationen gehören. Der Aufbau und die Regelung der Hausanschlussstation spielen hierbei eine maßgebliche Rolle. Beim Aufbau von indirekten Hausanschlussstationen unterscheidet man grundsätzlich zwei Typen im Zusammenhang mit nachgelagerten Wohnungsstationen: Anschlussstationen mit Heizwasserspeicher und Anschlussstationen im Durchflussbetrieb (ohne Heizwasserspeicher).
Praxiswissen
Im Rahmen von Versuchsprojekten verschiedener Wärmenetzbetreiber wurden die Effekte des Anschlusstyps auf den primären Wärmenetzbetrieb untersucht. Dazu wurden Messprogramme in unterschiedlicher Analysetiefe durchgeführt. Zum Beginn der Messprogramme stellte die sichere und schnelle Signalübertragung zur registrierenden Stelle eine Herausforderung dar. Im weiteren Verlauf der Messwertanalysen zeigten sich zunächst Schwachstellen und Fehler in der Installation der Anlagen. Hydraulische Anforderungen wurden auch bei Standardlösungen namhafter Hersteller nicht ausreichend beachtet. Nach Korrektur des Anlagenaufbaus durch z.B. Rückschlagklappen und Drosselventile, konnte die Regelung der Anlagen angepasst werden. Schwingungen durch Wechselwirkungen zwischen Regelkreisen wurden beseitigt, die Speicherladeregelung wurde an die spezielle Herausforderung angepasst. Während bisher Speicher in aller Regel durchgeladen werden, ist es im Sinne niedriger Rücklauftemperaturen von Bedeutung, ein ausreichend großes Kaltwasserreservoir im Pufferspeicher zu gewährleisten. Es ist nicht zielführend, den Pufferspeicher ohne Veränderung der Standardregelung zu vergrößern. Auch zum Projektende nach mehreren Jahren intensiver Begleitung muss festgestellt werden, dass der Aufbau der Regelung noch nicht die optimale Anpassung der Anlagen an die gewollten Ergebnisse (niedrige Rücklauftemperatur und geringe Leistungsanforderungen) umsetzt. Von weiteren Anpassungen wurde jedoch in der Regel wegen des Aufwandes der Umprogrammierung der Regelung durch spezialisierte Fachleute, also aus Kostengründen, abgesehen.
Der Einsatz frei programmierbarer Regelungen kann hilfreich sein, setzt jedoch ebenfalls Fachkenntnisse und Personalaufwand voraus.
Es hat sich gezeigt, dass in Wohngebäuden mit einer gut durchmischten Mieterstruktur die Durchflussstationen bei geringeren Investitionskosten und weniger Platzbedarf bessere Regeleigenschaften zeigen und geringere Rücklauftemperaturen in das primäre Wärmenetz zurückführen. Die abgerufene Leistung liegt bei Durchflussstationen oft weit unter der nach DIN berechneten Leistung.
Der Umgang mit diesen Anlagenkonstruktionen in der Praxis , insbesondere hinsichtlich der Leistungspreisgestaltung, kann die Errichtung solcher Anlagen befördern oder auch verhindern. Wird die Preisbildung anhand der planerisch ermittelten Anschlussleistung vorgenommen, ist der Einsatz von Durchflussstationen für den Kunden in aller Regel unwirtschaftlich – obwohl sie im normalen Netzbetrieb für das Versorgungsunternehmen vorteilhaft ist.
Ein kooperatives Vorgehen in enger Zusammenarbeit zwischen dem Fernwärmeanbieter und seinen Kunden kann zu einer Win-Win-Lösung für die Partner führen, die Energieeffizienz verbessern und so zum Klimaschutz beitragen.
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